Archivführer der Zürcher Gemeinden und
Kirchgemeinden sowie der städtischen Vororte vor 1798

bearbeitet von Dr. Otto Sigg

Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Berg am Irchel (Bezirk Andelfingen)

I A Urkunden auf Pergament

4 Urkunden 1556–1788: «Brunnenbrief» 1556 (Spruchbrief betr. gemeinsame Nutzung eines Brunnens zwischen der Gemeinde einerseits und dem Prädikanten anderseits); Schuldverschreibung 1587 der Kirche Berg; «Vertrag» 1615 betreffend Zehntenbezug zwischen dem Kloster Rheinau und der Kirche Berg (agrarhistorisch und zehntenrechtlich interessant: Der Kirche Berg entschwinden die ihr zustehenden Hanfzehnten, da die Bauern von Berg, Gräslikon und Flaach altes Hanfland mit anderen Produkten als Hanf anbauen und das Kloster Rheinau als Inhaber des grossen Zehntens die entsprechenden Zehnten ab diesen «anderen Früchten» einfordert); obrigkeitlicher Vergleich 1788 betr. Gemeindezugehörigkeit der Haushaltung der Egg mit 18 Personen in der Ziegelhütte: Diese Heimatlosen sind künftig in Flaach (und nicht Berg) gemeinde- und kirchgemeindegenössig; sie bezahlen das halbe Einkaufsgeld, die Gemeinde Berg entrichtet für die entsprechende Entlastung 400 Gulden an Gemeinde und Kirchgemeinde Flaach.

I B Verträge auf Papier

Vertrag 1615 zwischen Pfarrer Schwytzer zu Berg und der Gemeinde betr. Nutzung von Brunnen und Holz durch den Pfarrer; Vertrag 1619 zur Regelung der Kirchenzugehörigkeit (Kirchgemeinden Flaach und Berg) der Leute zu Volken (zu Flaach), zu Flaach «oben im Dorf» (zu Flaach) und zu Gräslikon (zu Berg); obrigkeitliche Bewilligung 1637 für einen Ziegler aus Embrach, unten am Rüdlinger Fahr eine Ziegelhütte zu errichten (Bauholz durch die Gemeinde Flaach); Regelungen 1658 betr. Pfrundnutzung bezüglich des Klosters Rheinau als Kollaturherrin; Regelung 1779 zwischen der Gemeinde Berg und Gerichtsherrn Escher zu Berg betr. Zeit des Arbeitsantrittes für die Leistung des Frondienstes.

II A Akten

darunter:
Umfangreiche Sammlung von Mandaten der Obrigkeit 1636– 1798, von Erlassen des Landvogtes 1661–1797 und von Berg spezifisch betreffenden Urteilen des Ehegerichtes der Stadt Zürich 1644–1763; Akten und Rödel betr. Grundzinsen der Kirche Berg 17./18. Jh., Rödel 18. Jh. zu den eingehenden Hanfzehnten der Kirche Berg; ein im Jahr 1568 angelegtes kleinformatiges und in ein liturgisches Pergamentfragment eingebundenes Zinsurbar; Stillstandsordnung 17. Jh.; Stillstandsprotokolle von Pfarrer Hans Jacob Blarer von Wartensee 1680–1697; Legate 18. Jh.; Monats-, Ernte- und Herbststeuern 18. Jh.; Ordnung für die Trottmeister und Ansprachen des Zehntenherrn anlässlich der Beeidung der Trottmeister spätes 18. Jh.

III Jahresrechnungen

Jahres- und Mehrjahresrechnungen des Kirchengutes 1580, 1609–1798 (wenige Lücken): Vergleichsweise bedeutendes Kirchengut, Armenausgaben.

IV A Bände

(Nr. 1 und 3 b fehlen)

2
«Der Kilchen alhie zuo Berg Restanz Rodel und Rechnung» 1534–1578: Rechnungsbuch mit jährlicher Verantwortung und Ablage der Rechnung durch die Kirchenpfleger, inkl. detaillierte Armenrödel 1573–1576 von Pfarrer Bullinger, besondere Ausgaben für Kirchenbau 1574; oft Angaben der Beamten, Zeugen, Anwesenden am Rechnungstag. Nachvollziehbar wird in den Rechnungsunterlagen die Klimakrise 1570 f.

3a
Stillstandsprotokolle 1750/56–1789.

4
Zinsbuch 1746–19. Jh.

5
«Urbarium» 1783 über alle Kirchenstühle und Kirchen- «Plätze» (inkl. Nachträge bis ca. 1859).

Rechnungsbuch Berg am Irchel

IV A 2: Rechnungsbuch 1534–1578. Der von 1565–1582 in Berg wirkende Pfarrer Johann Rudolf Bullinger, Sohn des Reformators Heinrich Bullinger, zeichnete sich durch die Verwaltung der Kirchgemeinde aus. Er schrieb die Protokolle der Rechnungstage mit eigener Hand und tätigte und verzeichnete auch die Armenausgaben. Die Jahresrechnung 1574 konnte, wie dieses Protokoll belegt, wegen grosser Bauausgaben für die Kirche erst im April 1575 abgelegt werden. Bullinger unterschreibt das Protokoll mittels individueller Signatur.

 

Politische Gemeinde Berg

IV A Bände

1
«Waisenbuch des Escherischen Hauses Berg» angelegt 1767 durch Vogtherr Johann Caspar Escher: vormundschaftliche Rechnungen 1763–1841.

2/3
«Urbarium des alten und neuen Grundzinses zu Berg …», 1. und 2. Teil, bereinigt 1779 (mit Nachträgen der Besitzer der zinspflichtigen Grundstücke bis ca. 1865).

4
Gemeindeprotokoll, «angefangen auf Rat ... [von] Johann Geörg Escher von Berg im Dezember 1786». Darin Bauabrechnung des 1786 neu gebauten Gemeinde- und Schulhauses, Beschreibung der Strassen, Wirtschafts- und Fusswege um 1790; Abnahme der Jahresrechnung, Wahlprotokolle; Unterbruch während der Revolutionsjahre (Hinweis auf ein gesondertes Protokoll) und Fortsetzung des Protokolls 1803–1837. Hinten im Band: Minutiöses Verzeichnis der für die Revolutionsinstanzen 1799–1801 ausgeführten 231 Transporte.

letztes Protokoll der Vorsteherschaft 1998

Aus dem letzten Protokoll der Vorsteherschaft, 5. März 1998, der damals formell aufgelösten und in die politische Gemeinde integrierten Zivilgemeinde Berg. Zur Auflösung der Zivilgemeinde gehörte auch die Übergabe des sehr reichhaltigen Archivs: «Jedem … ist bewusst, dass ein Stück Kulturgut mit dieser Auflösung zu Ende geht.»

 

Ehemalige Zivilgemeinde Berg

I A Urkunden auf Pergament

47 Urkunden 1522–1696; darunter:
Urkunde 1522 betr. Brückenunterhalt im Schollenberg zwischen dem Herrn auf Teufen und der Gemeinde Flaach, weitere Vertragsurkunde zur Schollenberger Brücke 1674; Dokumente zu Wegrechten, Kauf- und Rechtsgeschäften 1530/ 1532(–1538) des Besitzers des Schollenbergs (Bürgermeister von Waldkirch von Schaffhausen) im Verhältnis zu Flaach; Kaufbriefe u. a. m. 16. Jh. bezüglich der Besitzer zu Schollenberg; obrigkeitliches Urteil 1536 wegen eines durch Hans Steffan vorgenommenen und das Nutzungs- und Weiderecht der Gemeinde Berg störenden Einschlags; Urteilsspruch 1538 in Zehntenstreit zwischen der Pfarrei Berg und dem Untervogt zu Berg (Hinweise auf Einschläge in der Flur und auf Umnutzung von Wies- und Ackerland zu Hofstätten, Hanfpünten und Weingärten); Spruchbrief 1538 betr. Aufteilung und Verpachtung der Allmend; Einzugsbriefe 1539, 1575, 1605, 1630; Lehenbrief 1542 für das sog. Almosenhöfli zu Berg; Kauf 1543 des Hofes und ehemaligen Burgstalls Tobel durch Bürgermeister Waldkirch von Schaffhausen und Rechtsnatur dieses Hofes als eingeschlossenes Gut 1544; Vidimus 1545 eines Rechtsinstruments von 1510, das die Nutzungsverhältnisse zwischen dem Besitzer des Schollenbergs und der Gemeinde Flaach regelt; Regelung 1554 des Nutzungs- und Weiderechts zwischen den Gemeinden Berg und Gräslikon auf der sog. Mallatz-Wiese; Bewilligung 1567 der Gemeinde Berg in Rücksprache mit dem Kollaturherrn, dem Kloster Rheinau, für die Errichtung eines Brunnens im Pfarrhof (für Pfarrer Bullinger, inkl. bauliche Leistungen usw.); 11 entkräftete Urkunden 1572/73 betr. div. dem Klosteramt Embrach zustehende Grundzinsen; Vertrag 1597 zwischen Philipp von Waldkirch auf Schloss Schollenberg und der Gemeinde Berg betr. Holznutzung (Holzbezug durch von Waldkirch, Schutz des Jungwaldes durch die von Berg, Verbot weiterer Rodungen, Nutzung gemeinsamer Weiderechte), Änderungen dieses Vertrags 1624 (auch forstpolizeiliche Aspekte); Vergleich 1605 zwischen der Bauern- und der Taglöhner-Partei bezüglich Allmendnutzung; Nutzung 1607 des Weiderechtes auf den Rüdlinger Wiesen sowohl für die Gemeinde Flaach als auch für die Besitzer des Schollenbergs.

I B Verträge auf Papier

darunter:
Abschriften zum Ratsurteil 1436 betr. gemeinsame Weide für Vieh und Schweine für die Besitzer auf Schollenberg und die Gemeinde Berg sowie Wegrechte; Streit 1595 um Wässerungen und entsprechende Schmälerung der Schollenbergischen Fischereirechte; weitere Abschriften von Dokumenten betr. Rechts- und Nutzungsverhältnisse zwischen Berg und dem Burgstall Schollenberg 16./18. Jh.; Verleihung 1685 der Fischenz im Rhein an Junker Waldkirch zu Schollenberg.

II A Akten

darunter:
Abschrift 17. Jh. der umfangreichen Offnung des Hofes Berg; Abrechnung 1779/80 betr. den gemeindeeigenen Hof Schollenberg; Verzeichnis der den Burgstall Schollenberg betreffenden Rechtsinstrumente; Gemeinderechnung 1797.

IV A Bände

«Schützen-Rächen-Buch für die Gemeind Berg am Irchel 1772»; darin: Schützengaben der Obrigkeit für die neue «Zilschaft » (Schiesseinrichtung) Berg; Gewinner und Preisgelder; Schützen-Rechnung bis 1801(–1813).

Ehemalige Armengemeinde

II A Akten

Legate und entsprechende Austeilung an Arme 1679–1703 sowie eigenhändiges und persönlich besiegeltes Legat 1664 von Anna Dorothea Escher; Bezüge von Geld und Schulbüchern aus dem zürcherischen Almosenamt und ihre Verteilung 1731–1738.

III A Jahresrechnungen

Jahresrechnung des Armengutes der Kirchgemeinde Berg 1747–1798.

IV A Bände

1
«Vermachtnussen gegen den Armen und der Schul Berg», angelegt 1703 durch Pfarrer Kaspar Huber. Verzeichnis der Vermächtnisse 1679–1771–1900 (!) und Verzeichnisse der Ausgaben an Arme sowie Verzeichnisse ausgeteilter (kirchlicher) Lehrbücher 1680–19. Jh.

2
«Hand-Rödel» über Einnahmen und Ausgaben des Armengutes Berg, 1791–1809.

3/4
Zinsbücher angelegt 1729 und 1781 (eingehende Kapitalzinsen ins Armengut und Zinskontrolle 18./19. Jh.).

Nachtrag

Staatsarchiv Zürich; Pfrundurkunden C IV 5. 2.2– 5. 2.8:

7 Pfrundurkunden 1500–1531; darunter Papstbulle 1500 und sonstigen Rechtsakte der Kurie und der Obrigkeit betr. Übertragung und Besetzung der Kirche und Pfrund Berg, inkl. Auseinandersetzung 1524 betr. Besetzung mit einem verheirateten Geistlichen.

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