Archivführer der Zürcher Gemeinden und
Kirchgemeinden sowie der städtischen Vororte vor 1798

bearbeitet von Dr. Otto Sigg

Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Kilchberg (Bezirk Horgen)

I A Urkunden auf Pergament

6 Urkunden 1443–1552; darunter:
Urteilsspruch 1443 von sechs Chorherren des Grossmünsters im Streit zwischen dem Abt von Kappel als Kirchherr einerseits und «Kilchmeiern und allen Untertanen und Kilchgenossen der Pfarrkilchen ze Kilchberg, von Rüschlikon, Bandlikon, Adleswil, Wollishofen und Kilchberg» anderseits betr. Wiederaufbau der durch die Eidgenossen «verbrannten und gewüsten» Kirche (Verpflichtung der Kirchgenossen zum Wiederaufbau, Verpflichtung für den Abt, das Dach zu decken und eine erhebliche Beisteuer an Korn, Wein und Geld zu leisten); Urteilsspruch 1501 im Streit zwischen dem Leutpriester und den drei Kaplänen zu Kilchberg einerseits und den Kirchgenossen zu Kilchberg anderseits betr. Messedienst (Verpflichtung für die Geistlichen wie von alters her zu jeder Fronfast die Messe zu lesen); Urteilsspruch 1503 im Streit zwischen dem Abt von Kappel als Kirchherr und den Kirchgenossen von Kilchberg betr. Reparatur der durch Herabfallen des Helms beschädigten Kirche (Aufbau durch die Kirchgenossen, Decken des Chordachs durch Abtei, Beisteuer in Geld und Naturalien der Abtei); Einzugsbrief 1552 für die Gemeinde der Kirchhöri Kilchberg.

I B Verträge auf Papier

Beurkundung 1587 der vier Kirchmeier zu Kilchberg betr. eine Vergabung.

II A Akten

Insgesamt recht umfassender Aktenbestand 16.–18. Jh. zu verschiedenen Bereichen wie Gemeinde-, Kirchen- und Behördenorganisation und -ordnung, Gemeindeökonomie, -finanzen und -rechnungswesen, Armenwesen, Pfarrer, Sigrist, Bauwesen, Kirchenörter der Kirchgemeinde Kilchberg; auch: Aktenkopien zur Ablösung des kleinen Zehntens 1529/39; anlässlich des Kirchenbaus zu Wollishofen angelegter finanzieller Überblick 1702 zur Ausscheidung aus dem Kirchengut Kilchberg; undatierte Liste mit Vergabungen von Kirchgenossen (17. Jh. ?) an den zur Badekur in Baden weilenden Pfarrer (Beitrag zum Kauf von «etwas Silbergeschirr»); undatierter Rodel mit Steuerbeiträgen von Adliswiler Bürgern an die neue Glocke; Verzeichnisse 1636 und 1638 der Armen der Pfarrei Kilchberg; ehe- und sittenrichterliche Akten zu Gemeindegliedern 17. Jh.; zeitgenössische Kopie des Geschworenen Briefes der Stadt Zürich von 1713; Sammlung obrigkeitlicher Mandate und Erlasse zu verschiedenen Regelungsbereichen 17./18. Jh.; Sammlung von Betttagsbüchlein und -gebeten 18. Jh.

III A Jahresrechnungen

Rechnungen des Kirchengutes 1614, 1626–1798.

IV A Bände

1
«Urbar der Kilch zu Kilchberg … Anno 1551», Registrierung von Zinsen und Einkünften inkl. Beschreibung der belasteten Güter und Unterpfande und Nachträge 18. Jh.

2
1690 angelegtes «Urbar der Kilchen Kilchberg (urbarmässige Verzeichnung der Einkünfte der Kirche, analog IV A 1).

3
Erster Teil des Bandes: 1645 angelegtes Verzeichnis der Bezüge der Armen der Kirchgemeinde Kilchberg (Kilchberg, Rüschlikon, Wollishofen, Adliswil) aus dem staatlichen Almosenamt in Zürich (Originallisten 1592–1648, ab 1630er Jahren mit detaillierten Armenverzeichnissen und Protokollierung einzelner Fälle).
Zweiter Teil des Bandes: «Der ander Theil begreifft die Spenden, welche jederweilen von der Kilchen wegen, sonderlich aber auf die Hochen und Heiligen Fest under die Armen ausgetheilt worden…», angelegt 1636 (Originallisten, -verzeichnisse und -protokolle 1614–1618, 1635–1648, 1720–1736).

3a
1683 angelegter Band mit den Jahresrechnungen des Almosenwesens der Kirche Kilchberg 1683–1711.

4
Verzeichnis der Kirchenörter, wohl späteres 17. Jh. (Namen fehlen in diesem nur begonnenen Verwaltungsband; die hinten beigelegten Namenregister stehen kaum im Zusammenhang mit dem unfertigen Verzeichnis).

5 und 6
Zinsbücher des Kirchengutes Kilchberg 18.Jh.

7
Kopienband um 1700 mit allgemeinen und gebietsspezifischen Ehegerichtsordnungen und -satzungen im Bereich des Zürcher Staatswesens (div. Datierungen 17. Jh.).

8
Stillstandsprotokolle 1683–1793, inkl. Verzeichnis 1684 der Personen, welche ihren Platz in der Kirche auf der neuen Empore erhalten haben sowie Verzeichnis der Almosengenössigen der Pfarrei Kilchberg 1688.

Almosenbuch Kilchberg, 1623

IV A 3: Almosenbuch fol. 90 v.: Protokoll betr. Austeilung des Almosens in der Kirchgemeinde Kilchberg (Kilchberg, Rüschlikon, Wollishofen, Adliswil) im Notjahr 1623. Am Samstag, 18. Januar, erschienen zwei Vertreter des staatlichen Almosenamtes zu den Augustinern im Pfarrhaus Kilchberg und liessen die «Hausarmen» der Kirchgemeinde vor sich «bescheiden». Diesen wurden aus dem Almosenamt gemäss vorliegender Liste ein Monatsgeld und wöchentlich Brot zugeteilt. Interessant ist der Vermerk, dass diejenigen, denen man Brot zuteile, «das Zeichen des Zürichschilds an den Kleidern tragen müssen». Mit solchen Kennzeichnungen suchte man die sogenannt würdigen und offiziell anerkannten Armen von «Bettelgesinde», wie es etwa hiess, zu unterscheiden.

 

Aus dem Pfarrarchiv

«Urbarium des Cappeler-Hof-Amts über dessen besitzende liegende Güter und Handlehen wie auch über desselben Zehntens, A° 1790» (betr. Adliswil, Rüschlikon, Kilchberg und Wollishofen sowie ein Handlehen zu Höngg).

Politische Gemeinde Kilchberg

I A Urkunden auf Pergament

3 Urkunden 1677–1738: «Spruchbrief» 1677 im Streit zwischen den Gemeinden Bendlikon und Münchhof einerseits und dem Zürcher Bürger Birch betr. Bau eines Hauses durch Birch auf seinem erkauften Gut an der Bächlen (der Bau und dessen Benutzung wird gutgeheissen, ohne Einkauf ist jedoch keine Haushofgerechtigkeit damit verbunden, Erstattung von 25 Gulden als Zeichen der «Dankbarkeit» durch Birch); Einzugsbrief 1701 für die Gemeinden Bendlikon und Kilchberg; obrigkeitlicher Urteilsspruch 1738 in der Auseinandersetzung zwischen den Seegemeinden Horgen, Thalwil, Rüschlikon, Zollikon, Küsnacht, Meilen, Männedorf und Stäfa und den Inhabern der Metzgereigerechtigkeiten dieser Gemeinden einerseits und dem zünftischen Handwerk der Weiss- und Rotgerber zu Zürich und dem Landhandwerk der Gerber auf der Landschaft anderseits betr. Verkauf der rohen Felle von Schafen, Böcken und Ziegen an fremde Händler (Bestätigung des Rechts des Verkaufs der Felle an Auswärtige, jedoch gewisse Vorkaufsrechte für das heimische Gerberhandwerk).

I B Verträge auf Papier

darunter:
Obrigkeitliche Bewilligung 1627 für die Gemeinde Bendlikon, den aus Bayern stammenden Tischmacher Hagenreiner einzubürgern; weitere Bürgerrechtserteilungen 17./18. Jh.; «erneuerte und bestätigte Rechtsamenen beider Orten Bendlikon und Münchhof in Kilchberger Kilchhöri gelegen, Anno 1669» (Gemeindeordnung zur Flur- und Holzordnung, zu Abwassergräben, Gemeindestier, Bürgerrecht); Urkunden mit Regelung des Tavernenrechts zwischen der Gemeinde Bendlikon und den Nägeli 1676 und mit Auskauf der Gesellschaftsgenossen der Gemeinden Bendlikon und Adliswil aus dem Gesellenhaus Rüschlikon 1680; Urteilsspruch 1749 mit Bestätigung des Vorkaufsrechts des unter dem Gemeinde- und Gesellenhaus der Gemeinde Bendlikon befindlichen Kellers für die Gemeinde.

II A Akten

Aktensammlung zu verschiedenen Sparten der Gemeindewesens Bendlikon 17./18. Jh.; darunter:
Akten zur Gemeindeökonomie, Pachtverträge 18. Jh. des Gemeindehauses von Bendlikon (mit Tavernen- und Metzgereigerechtigkeit); Akten zu den Metzgereigerechtigkeiten 18. Jh.; Gemeindeprotokolle 18. Jh.; Zehntenrödel 18. Jh. der Gemeinde Bendlikon (jährliche Abrechnung des dem obrigkeitlichen Kappelerhofamt zustehenden Zehntens); Vertrag 1722 mit Auskauf der Gemeinde Rüschlikon aus dem Kirchen- und Armengut von Kilchberg-Adliswil; Sammlung 18. Jh. obrigkeitlicher Erlasse, Mandate, Zuschriften zu allen staatlichen Regelungsbereichen.

III A Jahresrechnungen

Zweijahresrechnungen des Almosengutes der Kirchgemeinde Kilchberg 1691–1798.

Gemeindearchiv Kilchberg

Gemeindearchiv im Parterre des 1931 gebauten Gemeindehauses Kilchberg. Die neben der Kopierpresse des 19. Jh. befindliche Getränkeflasche wurde dem Bearbeiter des Gemeindearchivführers bei seinen Inventarisierungsarbeiten vom 9. Mai 2003 im Gemeindearchiv durch Gemeindeweibel und -archivar Urs Nägeli spendiert. Herr Nägeli, einem alten Kilchberger Geschlecht entstammend, ist einer jener Musterbeamten, die über Jahrzehnte das Gemeindearchiv mit gutem Resultat betreuen und ihre Befähigung dazu durch tiefe Verwurzelung in ihrem Gemeindewesen erlangen. Zum Mittagessen traf sich der Bearbeiter mit Herrn Adrian Pretto, Gesundheitssekretär der Gemeinde Kilchberg, Mitarbeiter des Staatsarchivs 1975–1995, mit dem der Bearbeiter ab 1983 manche Gemeindearchive «visitierte».

 

Nachtrag

Staatsarchiv Zürich; Fragmente C VI 2:

Um 1907 vom Pfarrbuch der Kirchgemeinde Kilchberg (StAZ E III 62.1, 1536–1617) losgelöste Fragmente des um 1500 angelegten Jahrzeitbuches der Kirche Kilchberg.

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