Archivführer der Zürcher Gemeinden und
Kirchgemeinden sowie der städtischen Vororte vor 1798

bearbeitet von Dr. Otto Sigg

Politische Gemeinde Marthalen (Bezirk Andelfingen)

Ehemalige Zivilgemeinde Marthalen

I A Urkunden auf Pergament

74 Urkunden 1434–1786; darunter:
Urkunden betr. Lehenschaft der Grafen von Sulz um die Vogtei Obermarthalen 1434, 1453; Spruchbrief 1497 betr. gemeinsamen Hirt für Ober- und Niedermarthalen; Spruchbrief 1497 betr. Flurgemeinschaft zwischen Obermarthalen und dem Hof Rod; obrigkeitlicher Entscheid 1505 betr. gemeinsamen Weidgang im Krygenriet zwischen den Gemeinden Alten und Marthalen; Appellationsentscheid 1507 der Zürcher Obrigkeit betr. Sondernutzung des Ackerets, der Weide und der Holznutzung für Marthalen im Abist und Buchberg bezüglich anderer dem Kloster Rheinau grundherrlich eigenen Gemeinden; Urkunde mit Grenzziehung 1515 zwischen Marthalen und Benken /Rudolfingen; Kompromiss 1534 zwischen der Zürcher Obrigkeit (Landvogteien Kyburg und Andelfingen) und dem Abt zu Rheinau betr. Eid, Abgaben und Ungenossame der dem Kloster zugehörigen Leute jenseits der Thur (also inkl. Marthalen) auch infolge der Reformation; verschiedene Urkunden betr. flur- und nutzungsrechtliche Angelegenheiten 16.–18. Jh. bezüglich Marthaler Flur an sich, aber auch bezüglich des Verhältnisses Marthalens zu den anderen äbtischen Gemeinden Rheinau, Benken, Oerlingen, Kleinandelfingen, Wildensbuch und Ellikon; Lehenbriefe der Abtes zu Rheinau um die Vogtei zu Marthalen 16. Jh. – 18. Jh.; Urkunde 1559 mit Verkauf der Vogtei Marthalen um 1750 Pfund an Junker Christoph von Waldkirch zu Schaffhausen; Spruchbrief 1592 betr. Nutzung der Brunnen auf der Leweren für die Dorfgemeinde («Brunnenbrief »); obrigkeitlicher Entscheid 1595 betr. Aufhebung der Fron gegenüber Vogt David von Waldkirch; urbarmässige Beschreibung 1599 der zehntenfreien Güter im dem Kloster Rheinau zehntenpflichtigen Marthaler Zehntenbann; Vergleich 1606 zwischen der Gemeinde Marthalen und dem hier mit dem Besitz von zwei Häusern berechtigten Schaffhauser Bürger Junker Samuel Peyer betr. Bürgerrecht und -pflichten; «Vertragsbrief» 1606 betr. Urbarbereinigung des Klosters Rheinau zu Marthalen (anlässlich der Urbarbereinigung werden lehen- und grundrechtliche Bestimmungen von grosser Bedeutung im Sinn der Rechte der Bauernsame festgehalten, inkl. Leistung der Fron, inkl. Verköstigung der Bauern bei der Abgabe der Grundzinsen); Bestätigung 1609 des alten Brauchs der Lieferung von Abendtrunk und Brot durch das Kloster Rheinau an die Gemeinde Marthalen auf Neujahrstag; Spruchbrief 1621 betr. Zugang zur Viehtränke am Rhein für die Gemeinde Marthalen (nachdem die Thur wegen Veränderung des Laufes dafür nicht mehr geeignet ist); umfassende Regelung 1659 durch Ratsentscheid bezüglich Praxis und Recht der Zehnten- und Grundzinspflicht der Gemeinden Marthalen und Benken gegenüber dem Kloster Rheinau; Errichtung 1663 einer ehehaften Metzg durch die Gemeinde Marthalen; Geldaufnahme durch die Gemeinde 17. Jh.; Einzugsbrief 1704; Verteilung von klösterlichem Zehntenstroh an die Gemeindegenossen 1715; obrigkeitliches Jahrmarktrecht 1725 für die Gemeinde Marthalen und entsprechendes Recht zur Einrichtung einer Gerberei; Instrument mit Verkauf 1754 von Rechten zu Marthalen um 30 000 Gulden (Lehen- und Zehntenrechte, grundherrliche Rechte u. a. m.) durch das Kloster Rheinau an die Gemeinde Marthalen.

Rechtsinstrument Marthalen, 1754

I A 66: Rechtsinstrument 15. Juni 1754. Um 30000 Gulden verkauft das Kloster Rheinau der Gemeinde Marthalen sämtliche Rechte (Lehen- und Zehntenrechte, grundherrliche Rechte). Damit endete auch auf dem Papier eine feudale Abhängigkeit von Marthalen, die bis vor das Jahr 1000 zurückreichte. Die für eine übliche Gemeinde schier unerreichbar scheinende Kaufsumme belegt eindrücklich Wohlstand und gute Ökonomie dieses seit je stattlichen Dorfes. (Im Jahr 2004 wurde zum 250. Jahrestag ein grosses Dorffest abgehalten.)

 

II A Akten

darunter:
Viele gant- und schuldrechtliche Instrumente mit nur teilweisem Bezug zur Gemeinde; Gemeindeordnung 1787; Spruchbrief 1556 zur Brunnennutzung zwischen den Gemeinden Ober- und Niedermarthalen; Nutzungsangelegenheiten, Nutzung des Oerlinger Weihers; Protokoll zu den Wahlen von Vogt und Geschworenen zu Marthalen 1721– 1743; Angelegenheit der Gemeinde mit Pfarrer Escher 1711–1726 (zweifelhaftes Verhalten des Pfarrers); Verzeichnisse der zehntenfreien Wiesen 1748 und umfangreiche Akten und Verzeichnisse betr. zehntenpflichtige und -freie Güter 16.–18. Jh.

III A Jahresrechnungen

Jahresrechnungen des Gemeindegutes 1767–1797 (mit Lücken); Mehrjahres- und Jahresrechnungen des Seckelamtes der Gemeinde 1732–1777 (mit grossen Lücken); Abrechnung des in Marthalen wirkenden Amtmannes des Klosters Rheinau über die eingezogenen Grundzinsen und Zehnten 1736/37–1754 (nur wenige Exemplare vorhanden) und entsprechende Abrechnung der sog. Zehnten- und Grundzinsverwalter der Gemeinde Marthalen nach dem Kauf dieser Gefälle vom Kloster Rheinau durch die Gemeinde 1754– 1799.

IV A Bände

Umfangreiche Bandserien von Urbaren des Klosters Rheinau betr. Vogtrecht-Grundzinsen zu Marthalen 1660, 1676, 1736/1737; Urbar 1733 des dem Schloss Andelfingen zustehenden Mantzen-Zehntleins zu Marthalen; Zinsbücher 1755 der Gemeinde nach Übernahme der Grundgefälle durch die Gemeinde vom Kloster Rheinau; Beschreibung der Marchen zwischen dem Waldgebiet des Klosters Rheinau und der Gemeinde Marthalen im sog. «Wath»; sodann:

1
«Weinrechnungsbuch», angelegt um 1623 durch Heinrich Spalinger, mit Einträgen ab 1532, fortgesetzt bis 1685 (1792): Angabe des jeweils pro Jahr gültigen Weinpreises sowie ab 1590 auch der Kornpreise, teilweise auch Schmalz- und andere Preise, verwoben mit sehr wertvollen chronikalischen Aufzeichnungen zu Wetter, Ernte, Ereignissen, Beobachtungen aller Art (auch der weiteren Region und Nachbarschaft inkl. etwa Thurgau, Süddeutschland, Europa und bezüglich 30-jährigem Krieg; Band leider nur noch zu Teilen erhalten, jedoch restauriert).

2
«Tagbüechli», 1675 angelegt durch Pankraz Toggenburger, Untervogt zu Marthalen: Notizen, Kontrolle zum amtlichen und privaten Rechnungswesen des Untervogts.

3, 4, 5
Weitere «Rechnungsbücher» des jeweiligen Untervogts (wie Nr. 2), 1655–1670, 1676–1695, 1695–1712.

9
Zwei «Handrodel» 1710–1717 (–1730) und 1762–1787 der (gleichnamigen) Gerichtsschreiber Johannes Toggenburger I. und II.: Kontenmässige Rechnungskontrolle und Abrechnungen offenbar ausschliesslich privater Natur, weitverzweigtes privates Kredit- und Schuldenwesen.

17
Gemeindebuch und -protokoll 17./18. Jh.; darin: Abrechnung zu gebauten Dorfbrunnen; Wasserversorgung; ausserordentliche Bauten (auch Kirche), umfangreiche Bussenordnung 1672 der Gemeinde (vor allem bezüglich Flurpolizei und -recht); Verzeichnis der Gemeindeschulden 1693 (und Abzahlungen usw. 18. Jh.), Archivverzeichnis 1693; Ordnung der Wasserkehr 1717; Einzugsgeld (Bechergeld) fremder einheiratender Frauen, Abzuggelder von Bürgern, Bürgerrechtsgelder usw.

IV B1

Gemeindeprotokolle 1787–1816 (1787 Einsetzung eines ordentlichen Gemeindeschreibers in der Person von Wachtmeister Johannes Keller mit dem Auftrag der regelmässigen Protokollierung zur Rechtssicherung).

Ehemalige Zivilgemeinde Ellikon

I A Urkunden

(Depot im Staatsarchiv). 21 Urkunden 1536–1740; darunter:
Spruchbrief 1536 betr. Marchen zwischen den Gemeinden Flaach und Ellikon im Gebiet der alten Thur und des Thurhölzlis (mit Vertretung des Klosters Rheinau als Lehensherrin und des Standes Schaffhausen als Gerichtsherr zu Ellikon); Schiedsspruch 1553 zwischen der Gemeinde Flaach und den Fischern zu Ellikon betr. Fischereirechte im Bereich der alten Thur und der Thurmündung in den Rhein; weitere Schiedssprüche und Vertragsbriefe 16. Jh. / 17. Jh., auch sog. «Thurbriefe» zwischen Flaach und Ellikon betr. Grenzen und vor allem Wuhrungspflicht an der Thur (etwa infolge Veränderung des Thurlaufs und entsprechender Landverluste); Schuldverschreibungen der Gemeinde Ellikon 1569, 1585 und 1686; Bürgerrechtserteilung 1650 und 1673 durch die Gemeinde; Schiedsspruch 1670 um Nutzungsgrenzen zwischen den Gemeinden Ellikon und Rheinau bzw. dem Kloster Rheinau mit Bezug auf die 1555 erfolgte Aufteilung der Nutzung zwischen fünf dem Kloster Rheinau grundherrlich zustehenden Gemeinden und weitere Ausmarchung zwischen Ellikon und Rheinau 1675; Abkommen 1688 zwischen den Gemeinden Marthalen und Ellikon zwecks Lieferung von sieben Klaftern Buchenholz durch Ellikon ins jährliche Einkommen des Pfarrers.

III A Jahresrechnungen

Rechnungen über das Gemeindegut Ellikon 1713–1798 (mit Lücken); div. Rechnungsrödel wie Busseneinzug 1599/1600, 18. Jh. (Flurvergehen, -frevel); Bezug der staatlichen Gutsteuer 1622.

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