Archivführer der Zürcher Gemeinden und
Kirchgemeinden sowie der städtischen Vororte vor 1798

bearbeitet von Dr. Otto Sigg

Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Ossingen (Bezirk Andelfingen)

I A Urkunden auf Pergament

5 Urkunden 1490–1659: Obrigkeitlicher Urteilspruch 1490 betr. Bau und Unterhalt von Chor und Glockenhaus der Kirche Hausen im Verhältnis zwischen der Kollaturherrin (Stift Konstanz) und der Kirchgemeinde (Konstanz hat 150 Gulden Geld sowie den gebrannten Kalk zum Bau geliefert und die Weihe auf eigene Kosten vorgenommen; die Gemeinde ist dagegen künftig für den Unterhalt zuständig); Erblehenbrief 1538 des Stiftes Konstanz um den Widumhof zu Hausen (Verleihung an einen Trager und verschiedene Hofteilhaber); Urteil 1544 des Gerichtes zu Ossingen um ein Wegrecht im Verhältnis der Kirchgemeinde zu einem Privaten beim «Galler Kirchli» (zu Ossingen); obrigkeitliches Urteil 1552 betr. Decken des Daches und Unterhalt der Pfarrkirche zu Ossingen (wohl gemeint: Hausen) im Verhältnis zwischen dem Domstift Konstanz als Kollatur- und Zehntenherrin und der Kirchgemeinde Ossingen (Chor und Turm zu Lasten von Konstanz, Kirchengebäude zu Lasten der Gemeinde); obrigkeitlicher Spruch 1659 betr. einen Bezug des Pfarrers in Kernen und Wein zwecks Säuberung des Baches zu Ossingen (der Pfarrer gab diese Bezüge an die den Bach säubernden Gemeindegenossen weiter; diese Leistungen werden nun aberkannt) sowie betr. Bebauung und Unterhalt der Pfarrgüter des Pfarrers zu Ossingen durch Gemeindebürger und Gegenleistung der Pfarrers (Predigthalten in der Kirche Ossingen, Festsetzung der Entschädigung für die Arbeiten auf den Pfarrgütern).

II A Akten

darunter:
Abschrift des Ossinger Erbrechts; «Reglement» 1783 zu den Kirchenörtern; Abrechnungen zum Säckligut 1787/88; Listen zum Bezug von Armenunterstützung 1796/97 einzelner Bürger (Angabe zum physischen Zustand und zum Verdienst); Konzept 1656 betr. Entschädigung des Pfarrers für zusätzliche Kirchendienste in der neuerbauten Kirche zu Ossingen und weitere Akten zum Pfrundeinkommen.

III A Jahresrechnungen

Jahresrechnungen des Kirchengutes 1701–1798 (mit Lücken): Beträchtliche Einnahmen an Grund- und Schuldzinsen, Ausgaben u. a. an Arme (teils mit detaillierten Angaben), an Liebessteuern, Bauwesen.

IV A Bände

1: «Der Kilch Ossingen Urbar, Anno 1559 ernüweret»: Verzeichnis der Einkünfte an Grundzinsen und Zehnten, inkl. Bereinigung 1590er-Jahre und Ablösungsvermerk einer pfarrherrlichen Zinsverpflichtung 1831; Notizen 1559 zur Belohnung der Kirchenpfleger für das Zusammentragen des Zehntenweins und zu Sporteln anlässlich der Rechnungsabnahme.

2
Stillstandsprotokolle («Acta Matrimonialia, Consistorialia in singulos menses pro Ecclesia Ossingana …», 1637 initiiert durch Dekan Felix Wyss zu Stein am Rhein); Protokolleinträge 1643–1680, 1720–1729, 1761–1851. Vor Beginn der Protokollserie 1643 ff.: Pfarrherrliche Notizen und Überblick spätes 18. Jh. zu Pastoralia, Armenwesen, Kirchenrechnung, Organisation des Stillstands, Pfrundeinkommen, Ökonomie der Pfrundgüter, Pfrundholz, Einkünften des Mesmers.

3
1783 angelegtes Verzeichnis der Kirchenstühle in der Kirche Ossingen, inkl. Nachträge und Bereinigungen 19. Jh. (Revision eines Verzeichnisses von 1706 war wegen «eingeschlichener » «Unordnung» vor allem im Bereich der «Weiber- Kirchen-Örter» notwendig geworden).

Politische Gemeinde Ossingen

I A Urkunden auf Pergament

3 Urkunden 1635–1673: Kaufbrief 1635 um das Schloss Wyden (Erwerb durch Ursula Maria, Landgräfin zu Stühlingen, um 10500 Gulden, inkl. Ländereien, Seen und Weiher); inhaltlich unbedeutend: Schuldbrief 1663 und Lehenbrief 1673.

I B Verträge auf Papier

darunter:
Obrigkeitliches Appellationsurteil 1620 im Streit zwischen der Mehrheit der Taglöhner und der Minderheit der Bauern (der Mehrheitsbeschluss der Taglöhner, dass sie die Brachund Auswiesen zu Ungunsten der Weide des bäuerlichen Zugviehs emden können, wird als unrechtmässig erklärt); Schuldverschreibungen gegenüber der Gemeinde 1633; Vergleich 1674 zwischen der Gemeinde Ossingen und Metzgermeister Joseph Wespi betr. Tavernen- und Metzgereirecht von Wespi und entsprechende Verpachtung des Gemeindehauses mit den beiden Metzgereien an Wespi; Grenzbeschreibung 1688 des Ossinger Zwing und Bannes; Spruchbrief 1752 betr. Nutzung eines Weideweges für die Ossinger Dorfherde auf der Pfingstweide der Inhaber des Burghofes; Gantbeschreibung 1790 der Mühle zu Hausen.

II A Akten

darunter:
Rechtsverhältnisse der Ziegelhütte als Erblehen der Gemeinde Ossingen; obrigkeitliche Mandate und Erlasse des Landvogts 17./18. Jh. sowohl allgemeiner Art wie auch spezifisch Ossingen betreffend; flur-, weide- und nutzungs- und bürgerrechtliche Belange 17./18. Jh., inkl. Schafweide; Schwellen des Hausersees 1685 (See: Erblehen der Stadt Winterthur bzw. des Amtes Wyden); Gemeindeordnung 17. Jh. für die in Ossingen ansässigen Lehen- und Rebleute und Hintersässen (Pflichten und Rechte derselben und ihrer auswärtigen Pachtherren); Entscheid 1744 betr. den Ossinger Tag- und Nachtwächter und Stundenrufer (sog. Profos) in Bezug auf dessen Dienste auch für Waltalingen und Guntalingen; «Viehordnung » 1753 der Gemeinde Ossingen (genaues Verzeichnis mit Besitzern der insgesamt 314 Haupt Zug- und Kuhvieh, die weideberechtigt sind, inkl. Revision und Bestimmung einer Viehversicherung 1763); Protokoll 1766 der Wahl der Hebamme durch die «Weibergemeinde» (inkl. Bewirtung der Wahlversammlung); Akten zum Schulhausbau 1795; Mannschaftsverzeichnis der Feuerwehr 1796; Verzeichnisse 18. Jh. mit Abgaben der einzelnen Bürger (u. a. Vogtsteuern, Grundzinsen, ein Rodel mit Angaben zum Stand jedes Bürgers: «arm» oder «mittel»).

Protokoll Ossingen, 1766

II A 14: Protokoll der «Weibergemeind» vom 3. April 1766. In Anwesenheit des Pfarrers, des Amtmannes von Wyden, des Untervogts und beider Kirchenpfleger (deren Ehefrauen sich alle entschuldigen liessen) sowie der vier Gemeindevorgesetzten mit ihren Ehefrauen, des Ehegaumers sowie von Weinschenken, der Mesmer, der Förster und Profossen versammelten sich rund 200 Frauen, um die Hebamme zu wählen. Gemäss mit Strichen am Rand notierter Stimmen wurde Elisabetha Spalinger mit 147 Stimmen gewählt, die Konkurrentin vereinigte 50 Stimmen auf sich. Zur Verköstigung der Frauen wurden rund 10 Hektoliter Wein und rund 220 kg Getreide für Brot verbraucht. Wie es im Protokoll heisst, nahmen die meisten Frauen ihren Anteil von 2 Mass Wein (etwa 3,6 Liter) und 1 1/4 Pfund Brot nach der Wahl mit nach Hause. Doch etwa 40 Frauen zechten im Gemeindehaus weiter, «zum Schaden» der Kirchenpfleger und Gemeindevorgesetzten wie auch von Kirchen- und Gemeindegut, wie es heisst. Zum «grossen Verdruss», ja beinahe zum Aufstand der Frauen war es schon gekommen, weil die Versammlung (wohl um der Gemeinde eine Mittagsverköstigung zu ersparen) anstatt wie gewohnt auf morgens 9 Uhr auf nachmittags 1 Uhr angesetzt worden war.

 

III A Jahresrechnungen

Jahresrechnungen, Restanzenrödel des Gemeindegutes 1606– 1798 (mit vielen Lücken): Einnahmen an Grundzinsen, Pachtzinsen von Gemeindegütern, Einnahmen betr. Gemeindeweiher, Bussengelder, Verkauf von Gras, sog. «Rauchgeld», Verkauf von Holz; insgesamt beträchtliche Umsätze in der Gemeindeökonomie mit Wein; Bussen- und Weinrödel 17./18. Jh.

IV A Bände

1
Protokoll der Gemeindeversammlung 1785–1835 (Protokolle vor 1798 nur für die Jahre 1785, 1786 und 1796).

2
Drei im Jahr 1606 angelegte Zehntenurbare: Zehntenbezug durch das Domstift Konstanz (für jede der drei Ackerzelgen je ein rund 20 cm dicker Verwaltungsband mit mehr als 800 Blättern, gebunden je in von geprägtem Leder überzogene Holzdeckel, mit Buchschliessen; als Denkmal im originalen Zustand sehr erhaltungswürdig).

3
Urbar 1686 über die der Kirche Ossingen zustehenden Grundzinsen (inkl. Bereinigungen 18. Jh.).

4
Zwei Verzeichnisse 1740–1847 in Bandform betr. «Bauholz- Ausgabe» der Gemeinde (detailliert protokollierte Abgabe von Bauholz an die berechtigten Bürger mit Hinweisen zum Verwendungszweck, baugeschichtlich interessant; inkl. entsprechenden Reglemente 1665, 1740).

5
Drei Zinsbücher 1687–1806 (Verzeichnisse der gegenüber der Gemeinde bestehenden Schuldverschreibungen und entsprechende Kontrolle der eingehenden Schuldzinsen).

V Pläne

Zehntenplan 1777 (Zehnten des obrigkeitlichen Kornamtes) sowie Plan 1777 des Hofes Dachsenhausen.

Nachtrag

Ossingen

Staatsarchiv Zürich; Pfrundurkunden C IV 5. 5.27 bis 5.36:

10 Pfrundurkunden betr. Kirche Hausen 1360–1660 (Schenkung 1360 des Patronatsrechts der Kirche Hausen durch die Herzöge von Österreich an die Kirche St. Maria zu Konstanz; Bestätigung 1486 der Gemeinde Ossingen, vom Domstift Konstanz 150 Gulden für den Bau von Chor und Glockenhaus erhalten zu haben; obrigkeitliches Appellationsurteil 1534 zu Gunsten der Kirche Hausen betr. Verwendung einer Jahrzeit für die Armen; div. Urkunden u. a. ausgestellt durch das Konstanzer Domkapitel betr. Pfrundgut und -einkommen sowie betr. Pfarreinsatz und Bebauung der Pfrundgüter durch die Bauern in Verrechnung mit Gottesdienstleistungen in der Kirche Ossingen; Urteilsspruch 1642 im Streit zwischen den Besitzern der Hauser Höfe und dem Werdhofbauer betr. Zäunungen und Ersatz von durch weidendes Vieh im Jungwald, auch im Pfrundholz, verursachte Schäden.

Zum Seitenanfang