Archivführer der Zürcher Gemeinden und
Kirchgemeinden sowie der städtischen Vororte vor 1798

bearbeitet von Dr. Otto Sigg

Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Richterswil (Bezirk Horgen)

II A Akten

darunter:
Aufzeichnungen zu Reparaturen des Kirchturms, welche infolge von Blitzeinschlägen 1678 und 1766 ausgeführt werden mussten (u. a. Angaben zu den amtierenden Honoratioren, den Handwerkern, den Kosten); «Acta» betr. den Pfarrbrunnen 1780–1793–1797.

III A Jahresrechnungen

Bauabrechnung «des Kirchenbaus Annis 1717–1719» von Pfarrer Johann Felix Vogler; Jahresrechnung «der Schule Hütten» 1744/45, inkl. Aufzeichnungen 1746 über die schulpflichtige Zeit über das Jahr hinweg und die Besoldung des Schulmeisters.

IV A Bände

1
«Kirchen-Ordnung der Gemeind Richterswil, erneuert 1754»; insbesondere systematische Angaben zum Verkauf der Kirchenstühle (18. Jh. bis ca. 1830) unter Berücksichtigung der «Weiberbänke» (Übersicht 1752, neu eingerichtete Weiberbänke und Verkauf 18. Jh.).

2
Im Juni 1779 durch Pfarrer Salomon Hafner angelegtes «Stillstands- Protokoll» (Protokolle bis 1841).

Politische Gemeinde Richterswil

I A Urkunden auf Pergament

(deponiert 1927 im Staatsarchiv)
18 Urkunden 1440–1789; darunter:
«… der Kilchen Rodel ze Richtiswile …», (Jahrzeitbuch), angelegt 1440: Nach Monaten geordnetes Verzeichnis der dem Leutpriester, der Kirche und den Bedürftigen zu einer «Spend», zustehenden Zinsen, Nutzungen und Gülten», verzeichnet durch den Leutpriester und bezeugt durch Delegierte der Untertanen und Kirchgemeinde zu Richterswil, Hütten und Wollerau; «Urbar» bzw. Jahrzeitbuch der Kirche Richterswil, Fassung 1506 (inhaltlich wie «Rodel» 1440); Vereinbarung 1523 zwischen der Gemeinde Richterswil einerseits und den Inhabern von Gütern jenseits der Sihl anderseits betr. die Nutzung der links der Sihl gelegenen Richterswiler Egg (Festlegung der komplexen gemeinen Nutzung von Holz und Weide in der Egg und entsprechender Wegrechte im Verhältnis zwischen den beiden Parteien, Hinweis auch auf Rodungstätigkeit); div. Schuldverschreibungen 16. Jh. von Einwohnern zu Hütten bzw. auf dem Richterswiler- und Wädenswilerberg; Ordnung 1555 der Gemeinde Richterswil zum Forstbetrieb und Holzverkauf im Gemeinwerk in der Langenegg sowie bezüglich Erhebung eines Einzugsgeldes von Leuten, die von Wädenswil zuziehen, und zwar in Berücksichtigung der Aufwendungen für den Steg zu Hütten und des beträchtlichen gemeinen Nutzens; Ordnung 1657 der Gemeinde Richterswil zur Nutzung des Holzes und Gemeinwerkes in der Langenegg; Einzugbriefe 1604, 1639 für die Gemeinde Richterswil in Berücksichtigung der «hübschen» Holzgerechtigkeit und Hinweis auf den gesonderten Zugang zur Nutzung der mit den Schwyzer Höfen bis 1632 gemeinsamen Allmend; Einzugsbrief 1789 für die Gemeinde Richterswil; obrigkeitlicher Urteilsspruch 1671 im Streit zwischen der Gemeinde Richterswil «unter der Sihl» und den Hofgenossen ennet und ob der Sihl und am Richterswilerberg betr. Holznutzung ennet der Sihl (detaillierte Sonderbestimmungen unter genereller Berücksichtigung der Vereinbarung von 1523); obrigkeitliche Erteilung 1701 des Jahrmarktrechtes an die Gemeinde Richterswil (Markttag jeweils Donnerstag nach St. Felix und Regula); Gemeindeordnung 1752 (Bestimmungen zum Bürger- und Nutzungsrecht, Spesenbeschränkung für die Gemeindebeamten bezüglich deren Aufwendungen im gemeinen Holz Langenegg).

Im Gemeindearchiv

I B Verträge auf Papier

darunter:
Abschrift 1766 des sog. Hafenbriefes von 1460/1520: Urteilsspruch der eidgenössischen Boten im Streit zwischen dem Stand Schwyz und Wollerau einerseits und dem Johanniterhaus Wädenswil und dem Stand Zürich anderseits mit Definition von (Gerichts-)Grenzen und der Bestätigung der Gemeinsamkeit des Gemeinwerks zwischen Wollerau und Richterswil; Urteilsspruch 1686 betr. Unterhaltspflicht des Sägers auf dem Richterswilerberg für die Strasse von der Sihl und Hütterbrücke auf die «Höhi»; Regelung 1725 interner Streitigkeiten der Fuhrleute zu Richterswil und auf dem Richterswilerberg mittels einer Ordnung (u. a. Prinzip einer Kehrordnung unter den namentlich aufgeführten Fuhrleuten für ihre Transporte von Wein und anderen Gütern nach Einsiedeln, Rothenthurm, Schwyz; Definition der Ladung und Zugpferde); Entscheid 1756 der obrigkeitlichen Seevögte im Streit zwischen einem Privaten, der Gemeinde Richterswil und der Wirte zum Rappen und zu den Dreikönigen betr. Unterhalt und Handhabe der Haab und Schifflände; Gemeindebeschluss 1764 zur Senkung der Gemeindeausgaben (insbesondere Entschädigungs- und Spesenordnung für Beamte und Beauftragte der Gemeinde und der Kirchgemeinde; vermittelt Übersicht über die Gemeindegeschäfte, den Gemeindenutzen, die Beamtungen); «Spruch und Verordnung» 1740 zwischen den Richtern und Weibeln von Richterswil und «vielen Gemeindsgnossen» daselbst (Abstattung einer Gebühr gemäss Einzugsbrief von 1639 beim Bau einer neuen Güterhofstatt auch für Bürger alteingesessener Geschlechter, Regelung des gemeinen Nutzens im Eggholz); revidierter «Holzbrief» 1779 (Regelung der gemeinen Nutzung des Eggholzes); Marchenbeschreibungen und -briefe 18. Jh. zwischen den Gemeinden Richterswil und Wollerau.

II A Akten

darunter:
Serie von «Rödeln» des Gemeindeseckelmeisters 1516–ca. 1624: Protokolle der Abnahme der Gemeindegutsrechnung mit Einnahmen (wie Zinsen, Einzugsgelder), Ausgaben (z. B. an Arme, Ausgaben für Kirchweih und Repräsentation) und Saldi; Rödel eingehender Zinsen, Angaben zu Schulden gegenüber der Gemeinde (1516: Darlehen von 1 Gulden an Claus Mangel, «do wir gen meiland sind zogen»); Steuerlisten (z. B. im Zusammenhang mit dem «Hüttersteg»), Bussenrödel (Bussen wegen Holzfrevel und Flurvergehen); Allmendrödel mit Einnahmen und Ausgaben der Allmendverwaltung, Gemeindebeschlüsse wie Holzausteilung 1570, Bürgerrechtsangelegenheiten (insgesamt ein reichhaltiger Bestand, der viele Rückschlüsse auf das Gemeindeleben des 16. und frühen 17. Jh. gestattet); Ordnung 1582 betr. Abstand von Bäumen von Rebland; Akten 18. Jh. betr. die gemeindeeigene «Egg»-Waldung (inkl. Bussenakten betr. Holfrevel); Serie 18. Jh. von «Holz-Teil- Rödeln» betr. das gemeindeeigene Eggholz (Holzzuteilungen an die Berechtigten); Vergleich 1621 mit den Wädenswiler und Richterswiler Schiffleuten betr. Transport der vom Gotthard her kommenden Ware nach Zürich; Akten betr. Bürgerrecht und Hintersässen 17./18. Jh.; Urteilsspruch 1674 betr. Badstubengerechtigkeit für die neu errichtete Badstube zu Richterswil; «Krämerstandrodel» 1705; «Jahrmarkt-Ständ- Ordnung …1781» (Jahrmarktgebühren mit Nennung von Händlern aus Italien und dem Tirol); «Verzeichnis», «Verordnung» betr. Finanzierung der 1763 errichteten «Freischulen» im mittleren Berg und zu Richterswil; «neue Feuerordnung E. L. Gemeind Richterswil im Berg …1776»; Bürgschaftsschein 1784 der vier obrigkeitlich bestellten «Auflader» von Kaufmannsgut in Richterswil zuhanden des obrigkeitlich bestellten «Gutfertigers» (Stellen von Bürgen für transportierte Kaufmannsgüter).

Rechnungsrodel Richterswil, 1538 Zeichen in Rechnungsrodel Richterswil, 1538 Zeichen in Rechnungsrodel Richterswil, 1538 Zeichen in Rechnungsrodel Richterswil, 1538 Zeichen in Rechnungsrodel Richterswil, 1538

II A 1: Rechnungsrodel 1538 mit Zeichen des die Rechnung führenden Seckelmeisters Länz Wild. Die Rechnungsrödel spiegeln in mannigfaltiger Weise das Richterswiler Gemeindeleben. Interessant sind die Zeichen (Hauszeichen, Siegelzeichen, Wappenzeichen?), welche die rechnungsführenden Seckelmeister in ihren Rechnungen an verschiedenen Orten eingefügt haben.

 

III A Jahresrechnungen

Vereinzelte Protokolle 17. Jh. der jährlich durch den Seckelmeister erfolgten Ablage der Gemeinderechnung; Jahresrechnungen des Gemeindegutes 1719–1793.

IV A Bände

«Verzeichnis aller in der Gemeind Lade befindlichen Urkunden und Briefe, welche copialiter nach der Nr. der in der Lade befindenden Originalen hier eingetragen worden» (Dokumente 1604–1847, inkl. umfassendes Register).

Ehemalige Armengemeinde Richterswil

III A Jahresrechnungen

Mehrjahresrechnungen des Almosen- und Säckligutes der Kirchgemeinde Richterswil, bzw. Almosenrechnungen 1691– 1790/95.

Ehemalige Allmendkorporation Richterswil-Wollerau

(als Depot im Staatsarchiv unter C V 3 Sch. 13 a–d)

I A Urkunden auf Pergament

16 Urkunden 1531–1748; darunter:
Schuldbriefe 1531–1651 privaten Charakters (später wohl der Korporation zustehend), lastend vor allem auf dem Hof Dürstenen am Richterswilerberg; «Teilung- und Vertrag-Brief» 1632 zwischen den Allmendgenossen der Gemeinde Richterswil und des Hofes Wollerau (Aufteilung der übernutzten gemeinsamen Allmend, genannt Erlen-Allmend, in einem von gemeinsamen Ausschüssen von 28 und 16 Personen der beiden Parteien vorgenommenen Verfahren; Grenzziehung folgt wegen nutzungsbedingter Sonderheiten nicht der Landesgrenze; Richterswil zählt 70, 80 Allmendgenossen und wäre vor der Aufteilung auf den Auftrieb von 60 Haupt schweres Vieh beschränkt gewesen; offenbar kam es wegen des Vorbehalts der Stände Zürich und Schwyz bezüglich der Landesmarchen nicht zur Besiegelung des Vertrags); Bestätigung 1634 der Allmendteilung von 1632 durch Vertreter der Stände Zürich und Schwyz unter Hinweis auf die alleinige obrigkeitliche Kompetenz bezüglich der Landesmarchen; «Satzung und Ordnung der Erlen-Allmend Richterswil 1645»; «Urteilbrief» 1663 im Streit unter den Allmendgenossen bezüglich der Haltung eines Hengstes auf der Allmend (ein solcher wird entgegen den Interessen gewisser Viehbesitzer weiterhin nachts zu den «Mutterpferden» gelassen); «Schirmbrief» 1702 mit Schutz von Wegrechten der Allmendgenossen von Wollerau und Richterswil insbesondere im Verhältnis zum Inhaber der Lölismühle; «Spruchbrief» 1723 betr. Wasserrecht des Inhabers der Lölismühle bezüglich des aus der Allmend kommenden Baches; Spruchbriefe 1741, 1748 im Streit zwischen den Allmendgenossen von Richterswil und einer Linie der Familie Hiestand betr. Zugehörigkeit der Letzteren zur Allmendgenossenschaft (mit genealogischen Herleitungen durch die Taufbücher von Richterswil und Wädenswil).

Verzeichnisse, Akten

Durch Pfarrer Elias Höwli 1564 angelegtes Verzeichnis der Genossen der Allmend in der Gemeinde Richterswil (Genossen durch Vererbung und durch Einkauf); weitere Verzeichnisse (teils in Abschriften) der Richterswiler Allmendgenossen 1634, 1679, 1715, 1716; Marchen «-Zettel», «-Briefe», «-Erneuerungen», «-Rodel», «-Verabkommnisse», «-Verschreibungen» 1697–1892 mit Definitionen und Festlegungen der Grenzen zwischen Richterswil und Wollerau.

Nachtrag

Staatsarchiv Zürich W I 3.7c:

Durch die Antiquarische Gesellschaft deponiertes Fragment des um 1400 angelegten «älteren Jahrzeitbuches» der Kirche Richterswil; s. F. Hegi, Die Jahrzeitenbücher der Zürcher Landschaft (1922), S. 175 f.

Staatsarchiv Zürich; Pfrundurbar F II c Nr. 63a:

Durch die Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde 1932 deponiertes «neues Jahrzeitbuch» der Kirche Richterswil, angelegt 1496–1502; s. F. Hegi, Die Jahrzeitenbücher der Zürcher Landschaft (1922), S. 175 f.

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