Archivführer der Zürcher Gemeinden und
Kirchgemeinden sowie der städtischen Vororte vor 1798

bearbeitet von Dr. Otto Sigg

Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Wila (Bezirk Pfäffikon)

I A Urkunden auf Pergament

44 Urkunden 1389–1713; darunter:
Kaufbrief 1389 mit Verkauf einer Leibeigenen von Agaswil (Agasul) an die von Landenberg zu Greifensee (Urkunde ohne ersichtlichen Zusammenhang mit der Kirche Wila); Kaufbrief 1407 mit Verkauf einer dem Kirchherrn zu Turbenthal und Wila zinspflichtigen sowie dem von Landenberg zu Werdegg vogtsteuerpflichtigen Schuppis zu Wila; weitere Rechtsinstrumente 15. Jh. betr. Schuppisgüter zu Wila; Schuldzinsbrief 1407 (Verkauf eines Zinses von 1 Mütt Kernen ab einer Hofstatt mit Baumgarten zu Wila; wahrscheinlich gelangte der Zins und mit ihm das Dokument später an die Kirche Wila); Rodel 1414 mit Verzeichnung von der Kirche Wila und dem Leutpriester daselbst zustehenden Zinsen und Zehnten; Lehenbrief 1467 von Abt Ulrich von St. Gallen mit Verleihung des Zehntens zu Feldmos an seinen Dienstmann von Hinwil; Urteilsspruch 1471 des Bischofs von Konstanz im Streit zwischen den Kirchen Turbenthal und Wila betr. Ausscheidung der beiden Kirchen (Wila hat Turbenthal jährlich 35 Stuck zu übergeben; die Abgabe ist ablösbar mit 13 Gulden pro Stuck); Lehenbrief 1486 mit Verleihung von Zinseinkünften an den Kaplan der Fronleichnamspfrund zu Wila; Erblehenbrief der Kirche Wila 1502 (ausgestellt durch den Priester und die beiden Pfleger) mit Verleihung des Hofes zu Oberlangenhard und des Kelnhöflis; obrigkeitlicher Urteilsspruch 1504 im Streit zwischen dem Leutpriester zu Wila und den Kirchgenossen daselbst um den «Rübenzehnten» (inkl. Hinweis auf die erfolgte Loslösung der Filialkirche Wila von Turbenthal mit entsprechender Bildung einer selbständigen Pfarrkirche zu Wila; der Rübenzehnten soll, wie von der Gemeinde bestimmt, dem jeweiligen Sigristen und nicht dem Pfarrer zustehen); 18 Schuldbriefe 1550–1600 und 6 Schuldbriefe 17./18. Jh. v. a. zugunsten der Kirche Wila; diverse Dokumente ohne ersichtlichen Bezug zur Kirche Wila (wahrscheinlich breitenlandenbergischer Provenienz): Urfehdebrief 1528, Eheverträge 1546, 1655, 1703.

I B Verträge auf Papier

«Auffall-Rodel» 1612 (Konkursverzeichnis betr. einen Einwohner, die Kirche Wila als eine der verzeichneten Gläubigerparteien); «Auffalls-Zug-Brief der Kirche Wila» 1671 in einem Konkurs von Bürgern zu Dickbuch; Kopie des Vertrages 1796 mit Kauf des Kehlhofes Turbenthal durch die Gemeinde Turbenthal.

II A Akten

darunter:
1a bis c, 2: Exemplarisches und umfangreiches Verwaltungsschriftgut 16.–18. Jh. zum relativ grossen, auf Zehnten, Grundzinsen und Zinsen beruhendem Einnahmen- und Ausgabenwesen der Pfrund Wila: 1a: Rödel 16./17. Jh. zu Einnahmen an Zehnten (ab 1539), Heugeldern, Grundzinsen, Zinsen; mehrere Rechnungsbüchli mit Einnahmen- und Ausgabenlisten der Pfrund frühes 17. Jh. und 1712–1722 (–1728); als Einbandmaterial der Rödel dienen mittelalterliche liturgische Pergamentfragmente. 1b: Sog. «Zehntenbüchli» und Rödel der «Fruchteinnahmen und -ausgaben» 1754–1784; Zehnten- und Grundzinsrödel 1761–1791–1797. 1c: Zehntenverifizierung früheres 17. Jh. bis ca. 1668; Zinsrodel 1638 der Kirche Wila von Pfarrer Steinbrüchel; Grundzinsverzeichnis 1696 betr. Siedlung «Käfer»; Zinsbuch, angelegt um 1713, mit Zinskontrolle bis 1759; Verzeichnis der zehntenpflichtigen Bäume 1714; Zehntenurbar der Pfrund Wila 1730; Zehntenerträge der Pfrund Wila 1740–1763. 2: Akten zu den Zehnten und Grundzinsen (15. Jh.–)17./18. Jh.; darunter:
Auseinandersetzungen und Belange betr. Konstanzische Quart und betr. st.-gallisch-breitenlandenbergische Kollaturrechte zu Wila und Turbenthal; Auseinandersetzungen betr. «Sigristenzehnten»; «Zehntenersatz», Heugeld und -zehnten, Kartoffelzehnten (je im Zusammenhang mit Umwandlung von Ackerland in Wiesland bzw. von Kornland in Kartoffelland), Obstzehnten, Hanfgeld; Zehntenertragstabellen. 3–24: u. a. Schuldverschreibungen 16.–18. Jh. gegenüber der Kirche Wila; Kopien von im Kirchenturm deponierten chronikalischen Nachrichten 17./18. Jh.; übliche Sammlung 17./ 18. Jh. ehegerichtlicher Akten betr. einzelne Kirchgemeindeglieder; übliche Sammlung von auf der Kanzel zu Wila verlesenen gedruckten Mandaten, Verordnungen 17./18. Jh. vorgesetzter Instanzen zu allen Regelungsbereichen; übliche Sammlung von Akten und Erlassen 17./18. Jh. der Landvogtei allgemeiner Art und spezifisch die Einwohner der Kirchgemeinde betreffend (inkl. Kriminalia); Stillstandsprotokoll 1678–1688; Akten zum «Kirchenstreit» 1763 zwischen Wila und Hermatswil (Regelung des Kirchenbesuches der Hermatswiler wegen Platzmangel in der Kirche Wila); bürgerund einwohnerrechtliche Belange 18. Jh.; 1720 angelegte Verzeichnisse der in der Kirchenlade Wila befindlichen Schuldbrieftitel (inkl. Aufteilung auf Wohnorte und Unterpfande der Gläubiger zu Wila, Sternenberg, Steinenbach, Russikon, Turbenthal, Bauma); Schuldbriefverzeichnis 1773; Akten, Korrespondenz, Verzeichnisse 18. Jh. zu Liebessteuern für Brand- und Wettergeschädigte; Verzeichnis 1746 der Kirchenörter; Bau- und Rechnungsakten 1760er-/1770er-Jahre betr. Neubau des Pfarrhauses (Baumeister Johannes Grubenmann); umfangreiche Liste 1771 betr. Armenunterstützung in der Pfarrei Wila; «Spendrödel» 1772 für Wila und Sternenberg; Liste 1773 mit Zuteilung von Kapitalien an das von Wila abgetrennte Kirchengut Sternenberg.

III A Jahresrechnungen

1: Jahres- und Mehrjahresrechnungen des Kirchengutes, 1569, 1589, 1592, 1600–1797; relativ bedeutendes Kirchengut mit grösserem Anteil der Einnahmen in Naturalien (so die Zehnten zu Hermatswil und die Grundzinsen des Hofes zu Oberlangenhard; entsprechende Bewirtschaftung von Getreidevorräten). 2: Abrechnungen des Säckli-, Armensteuer- und Almosengutes 1763–1797.

Jahresrechnung Wila, 1622/23

III A: Jahresrechnung 1622/23: Die «Ausgaben für die Armen» zeugen von dem voll angebrochenen Dreissigjährigen Krieg. Vom April 1622 bis 1. Februar 1623 gab die Kirchgemeinde die vergleichsweise hohe Geldsumme von 61Pfund für «vertriebene Bündner, Veltliner, Pfälzer und dergleichen elenden Leute» aus. Namentlich werden hier aufgeführt die «vornehmsten» der im Wirtshaus verköstigten Flüchtlinge.

 

IV A Bände

1
Urbar der Kirche Wila:
a) Über die jährlich eingehenden Zinsen an Korn, Kernen, Hafer, Wachs und Geld (undatiert, um 1570);
b) Über die der Kirche Wila zehntenpflichtigen Güter zu Hermatswil sowie Beschreibung des gesamten Zehntenbezirks 1568 (im Beisein von Vertretern von Pfründen zu Rapperswil und des Spitals zu Uznach als ebenfalls Zehntenberechtigte); Ablöungsvermerk 1816.

2: Stillstandsprotokolle 1754–1796.

Politische Gemeinde Wila

II A Akten

Anonymer Bericht aus Zürich 1719 u. a. betr. Pietisten, betr. das riesige Vermögen des verstorbenen Herrn Schulthess Willading, betr. Herausgabe der St. Galler Bibliotheksteile durch die Berner, betr. Empfang einer Toggenburger Gesandtschaft; «Gemeinderodel» mit Gemeindeprotokollen 1766–1814 (u. a. Abnahme der Jahresrechnung, Verpachtung von Gemeindegrundstücken, Wahlen der Beamten, Bestimmungen zur Gemeindeordnung).

Ehemalige Armengemeinde Wila

IV A Bände

1
1786 angelegtes und bis 1835 f.rtgesetztes Zinsbuch des «Säckligutes» (Schuldzinsposten zugunsten des Säckligutes, Kontrolle eingehender Zinsen).

Ehemalige Zivilgemeinde Wila

I A Urkunden auf Pergament

9 Urkunden 1505–1797:
«Von den Fischenzen in der Töss»: Obrigkeitlicher Urteilsspruch 1505 im Streit zwischen denen von Wila und Zell sowie dem Müller zu Rikon einerseits und Ritter Heinz von Breitenlandenberg als Inhaber der Feste Liebenberg anderseits um die Fischereirechte in der Töss und den Seitenbächen (in der Töss steht die Fischenz Breitenlandenberg zu, in den Seitenbächen beiden Parteien; der Müller hat in der Töss die Fache zu beseitigen); von Hans von Breitenlandberg ausgestellter und mit den gemeinen Einsässen von Wila abgeschlossener Vertrag 1506 mit Umwandlung der durch die in Wila ein Haus besitzenden Einwohner dem Breitenlandenberg zu leistenden Frondienste von jährlich 1 Tagwen in eine Geldleistung von 2 1/2 Schilling; Urteilsspruch 1544 im Streit zwischen der Gemeinde Wila und den Stachel daselbst mit Verpflichtung der Letzteren, eingeschlagene und eingezäunte Güter dem gemeinen Weidgang wieder zugänglich zu machen; «Tauschbrief» 1601 von Weiderechten zwischen der Gemeinde Wila und Hans Rudolf von Landenberg zu Breitenlandenberg; Einzugsbriefe 1613, 1668; von Hans Jacob von und zu der Breitenlandenberg ausgestellter «Vertragsbrief» 1634 mit einer Weidgangregelung zwischen der Gemeinde Wila und einem Privaten; Urteilsspruch 1639 im Streit zwischen den Gemeinden Wila und Turbenthal einerseits und dem Wagner Bryner zu Wila anderseits betr. durch Bryner im Tössbereich vorgenommene Einschläge (diese Einschläge, welche den gemeinen offenen Weidgang von Wila und Turbenthal sowie von Leuten jenseits der Töss beeinträchtigen und wasserbaulich schädlich sind, müssen entfernt werden; zudem Ausmarchung des Keibenwieslis der Gemeinde Wila zwecks Vergrabens abgegangenen Viehs, jedoch nicht als Aufenthaltsort für krankes Vieh); «oberkeitliches Instrument zu Handen der Ehrsamen Gemeinde Wyla betreffend die Hoheitliche Übernahme der vormals Landenbergischen Hälfte der Niederen Gerichte zu Turbenthal und Wyla …1797»: Eine Art Mitteilung an die Gemeinde betr. Übernahme der entsprechenden Rechte durch die Stadt Zürich mit Hinweis auf die künftigen Gerichtsstätten nach Belieben des Landvogts entweder zu Kyburg, Fehraltorf, Bauma oder im Turbenthal (bei Tagung im Turbenthal in Wila hat der Beamte die Zürcher Standesfarben zu tragen).

II A Akten

darunter:
Verzeichnis der in der Gemeindelade befindlichen 14 pergamentenen «Briefe» (Rechtstitel) 1505–1668 sowie der papierenen Briefe 18. Jh., welche jeweils vom abtretenden auf den neuen Seckelmeister übergehen; Akten 18. Jh. betr. Einkauf in die Kirchgemeinde Wila (so der Bewohner der Ottenhub); Verpflichtung 1750 von Kupferschmied und «Feuerspritzenmacher» Bleuler zu Kirchuster betr. Lieferung einer Feuerspritze für die Gemeinde Wila; «Feuer- und Wasserordnung» 1749 der Gemeinde Wila; allgemeine Feuerordnung 1764 der Landvogtei Kyburg; Akten 18. Jh. zur Dorfwacht; Erlass 1749 der für Wila zuständigen Gerichtsherren von Breitenlandenberg für die Gemeinde Wila: Verbot von Einschlägen in den drei Zelgen (mit Sonderregelung bei Bebauung der Brache), Erteilung von Bussengewalt an die Gemeinde für Säumige im Gemeinwerk und beim Aufgebot zur Gemeindeversammlung; Festlegung 1771 des Taglohns für das Gemeinwerk; Kopie eines Vergleichs 1773 im Streit zwischen der Kirchgemeinde und der Dorfgemeinde betr. Finanzierung von Bau und Unterhalt des «Hohen Stegs» über die Töss bei Wila (inkl. diesbezügliche Regelung des Hintersässengeldes); Kaufbriefe 18. Jh. bezüglich des Gemeindegutes Wila; Einforderung 1732 des Pfarrers zu Wildberg des der Pfrund Wildberg zustehenden Zehnten ab 15 Jucharten Gemeinwerk «neben dem Loch» der Gemeinde Wila, sofern hier angebaut wird; Regelungen 18. Jh. betr. den Pfrundzehnten zu Wila, u. a. 1758 betr. Bezug des Pfrundzehnten zu Wila im Gemeinwerk bei Anbau von Kartoffeln, Gemüse, Hanf, Getreide; Regelung 1763 des Zugangs der Leute von Hermatswil in der Kirche Wila.

Nachtrag

Staatsarchiv Zürich; Pfrundurkunden C IV 5.9.1 bis 9.23:

24 Pfrundurkunden 1288–1608; darunter:
Indulgenz 1288 für die Kapelle in Wila; Zinsschenkung, Zins- und Güterverkäufe 1375–1459 an die Kirche Wila und deren Fronleichnamaltar; Urkunde 1462 mit Stiftung einer ewigen Messe an den Fronleichnamaltar zu Wila; Urkunde 1466 betr. Genehmigung der Lostrennung der Filialkirche Wila von der Pfarrkirche Turbenthal und entsprechend Bildung einer selbständigen Pfarrkirche; damit zusammenhängende Urkunde 1491 mit Loskauf der Verpflichtung der Kirche Wila zur Leistung von jährlich 35 Stuck an die Kirche Turbenthal; Urkunden 1471/73 mit Verkauf von Zehntenrechten u. a. zu Hermatswil an den Fronleichnamaltar zu Wila; obrigkeitliches Appellationsurteil 1580 im Streit zwischen den Kellern und den Manzen zu Wila betr. angeblich durch Letztere geübtes, massloses und die Güter der Keller und des Pfarrers schädigendes Wässern aus der pfarrherrlichen Hanfröse; Urteilsspruch 1585 im Streit zwischen dem Pfarrer und vier Hofbesitzern betr. Zehnten mit umfangreicher Beschreibung der der Pfarrpfründe Wila zustehenden Zehnten der vier Höfe Undalen, Felmis, Fluh und Widen (alle Bauma), inkl. Hinweise auf Aufbrüche, Einhegungen, Flurgemenge, Rechtsnatur von sog. In- und Ausgelände, Anbauarten, kleiner und grosser Zehnten; Urkunde 1600 betr. Tauschgeschäft zur Erlangung einer neuen Hausliegenschaft zur Einrichtung eines neuen Pfarrhauses im Abtausch mit dem alten Pfarrhaus (darin: Befürchtung, der Pfarrer könne am neuen Standort nahe am Bach und beim Brunnen durch Geschwätz der dort sich treffenden Dorfbevölkerung in seiner Arbeit gestört werden).

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